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"Des is mei Extra!"


Thomas sitzt im hohen Sommergras. Schweiß bahnt sich einen Weg über den ganzen Körper in Richtung Boden. Nicht in Tropfen. In Strömen. Mit einer Hand die Brille in Sicherheit gebracht, drückt Thomas seinen weißen Calimero-Helm mit der anderen fest an den Kopf und leitet einen weiteren Schwall salziger Brühe übers körpereigene Kanalsystem. Er sieht gezeichnet aus, als wäre er schon eine Woche unterwegs und möchte keinen weiteren Meter kurbeln. Das ist nicht der Thomas, den wir kennen.


Wir lagern am Beginn des "Keschtnweg" über Brixen. Für alle die mit dem Südtirolerischen nicht vertraut sind: wir befinden uns am Kastanienweg. Es ist erst Transalp-Tag zweieinhalb von sieben und unsere Körper arbeiten an ihrer Leistungsgrenze um die Herausforderung an Kilo- und vor allem Höhenmetern zu bewältigen. Der Grund für den zeitigen Verschleiß unserer Kräfte ist schnell gefunden: der Masochist am Planungsbrett.Bei der Routenplanung war Thomas und mir in letzter Minute ein grober Fehler aufgefallen. Es gab ein längeres Flachstück. Sogar noch schlimmer: die Höhenmetertendenz ging leicht, aber doch eindeutig, nach unten. Wir merzten kurzerhand den Fehler aus, verlegten die Route über den "Keschtnweg" und teilten unseren Mitstreitern noch in der Früh mit einem breiten Grinsen mit: "Des is mei Extra!" Der Ausspruch wurde wenig später mit lautem Schnaufen und leichtem Fingertippen an die Schläfe kommentiert.Über ziemlich genau 400 Kilometer und beinahe 14.000 Höhenmeter schlängeln wir uns in sieben Etappen von Jenbach in Tirol bis nach Riva am Gardasee. Zwei Sachen beschäftigen uns dabei ohne Pause: das Wetter und die Route. Wie heftig unsere Tourenplanung wirklich ist, merken wir erst mit der dicken Warze - dem Rucksack - am Rücken. Im Schnitt sind jeden Tag 2.000 Höhenmeter zu absolvieren. Und obwohl selbst gewählt, nagt es an unserer Motivation, dass davon meist die Hälfte in einem Anstieg absolviert werden muss. Ich habe selten so viel Zeit im Uphill-Modus verbracht.Für eine Transalp wünscht man sich schönes und konstantes Wetter. Bereits bei der Ankunft mit dem Zug in Jenbach lächelt uns die Sonne an und wir strahlen zurück. In der Auffahrt nach Weerberg, wo die Gärten so steil sind wie der Aufsprunghügel am Kulm, bekommen wir einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage. Die Sonne lächelt uns nicht nur an, sie fixiert uns. Der Höhepunkt ist mit über 40 Grad im Schatten über Eppan erreicht. Georg behilft sich mit seinem Körperlack und wird von Tag zu Tag weißer. Wir versuchen hingegen die schwierige Balance aus "etwas Farbe mitnehmen" und "Verbrennungen zweiten Grades" zu finden. Flaschen befüllen wir aber alle gerne an jeder Quelle.

Tag 01-02

Das erste Quartier schlagen wir auf der Weidener Hütte über Weerberg auf. Beinahe luxuriös nächtigen wir auf 1.800 Meter. Der ideale Ausgangspunkt um am Morgen darauf das Geiseljoch zu stürmen und bereits wenige Stunden später Österreich zu verlassen. Und zwar über den für mich schönsten Alpenübergang: das Pfitscherjoch. Nachdem mir bereits bei der Forststraßen-Abfahrt vom Geiseljoch das Herz geblutet hat, kann ich meine Kollegen zu einem Wanderweg-Downhill nach Italien überreden. Prompt verwandelt sich die Augenweide eines Trails natürlich in eine Schiebepartie. Thomas, Mathias und Georg halten sich mit Bemerkungen zurück, ich ahne aber, dass dies meine letzte navigatorische Entscheidung auf diesem Trip war.

Tag 03

In St. Jakob in Pfitsch machen wir es uns in einer Ferienwohnung gemütlich und rollen Tags darauf auf und abseits des Brenner-Radweges nach Brixen, wo uns kurz darauf der bitter-süße "Keschtnweg" erwartet. Sichtlich gezeichnet laufen wir am späten Nachmittag in Waidbruck - oder auch Ponte Gardena genannt - ein. Dem hässlichsten Ort Südtirols. Und wir haben kein Quartier. In unserem Wunsch-Etappenziel für den heutigen Tag Barbian, welches 400 Höhenmeter über Waidbruck liegt, scheinen alle im Tourismus angestellten Personen zu beschäftigt um das Telefon abzuheben. Nach einigen Telefonaten in die Heimat und ein paar Höhenmeter weiter hinauf, erwartet man uns schließlich beim "Kircher Sepp". Der Kalorienbedarf wird mit Pizza, Nachspeise und Weizenbier gedeckt und der Sonnenuntergang genossen. Bis tief ins Dunkel hinein genießen wir die - jetzt endlich - laue Sommerluft und lauschen dem zirpen der Rasensprinkler.

Tag 04

Einen der schönsten Wegabschnitte hält Tag Nummero Vier für uns bereit. Gleich hinter Barbian schnupfen wir Serpentine für Serpentine bis der Berg aus ist. Oben erwartet uns ein endlos schönes Hochplateau und natürlich Nachspeise auf der Stöfflhütte. Die Abfahrt danach beginnt ruppig, wird aber schnell zum Genuss und hält mit einem glasklaren Tümpel die passende Erfrischung fürs August-Wetter bereit. Der Plan sieht eigentlich vor, dass wir von Sarnthein noch am selben Tag die Sarntaler Skihütte erklimmen, doch eine Reservierung war uns telefonisch eine Mission Impossible. Im Sarntheiner Tourismusbüro wird auch schnell klar warum: Ferragosta in Italien, alles ausgebucht. Wir müssen wieder ein paar Kilometer retour um noch Plätze in einer Unterkunft zu ergattern. Dafür liegen unsere Zimmer gleich über einer Pizzeria.

Tag 05

Die Etappe Sarnthein - Altenburg (bei Kaltern) vergisst keiner von uns so schnell. Mit über 3.000 Höhenmetern die Königsetappe. Als würde der Tag nicht ohnehin schon kurz werden, trage ich gleich in der Früh vor Mike's Bike Garage einen Kampf mit meinen Bremsbelägen aus. Kurz nach der Sarner Skihütte leisten wir gestrandeten Bikern mit einem Kettennieter Pannenhilfe und in Nals müssen wir die Siesta des Supermarktes abwarten, um unsere Reserven wieder bestücken zu können. Erst nach Einbruch der Dunkelheit schlagen wir in unserem Quartier in Altenburg auf. Im Sonnegghof ist man aber so nett und hält den Pizzaofen für uns noch warm. Dazwischen erleben wir aber alpine Landschaft vom Feinsten. Speziell die "Stoananen Mandln" sind sehenswert. Und so sehr sich der Eppaner Höhenweg anfangs vor einer Befahrung wehrt, desto traumhafter gibt er sich je weiter südlich wir kommen.

Tag 06

Kaum richtig munter am folgenden Tag, wartet schon das nächste Höhenmeter-Ungetüm auf uns. Das Graunerjoch hätte man von mir aus ruhig Grauen-Joch taufen können. 1.200 Höhenmeter waren noch nie so zäh. Und zäh ist nur ein Hilfsausdruck. Pralle Sonne, tiefer Schotter und konstant grausige Steigung. Dafür ist der Ausblick ein Traum, denn selten sieht man so steil wieder hinunter. Leider verlassen wir hier Südtirol und tauchen ab ins - von uns getaufte - Apfeltal. Dass hier die Wein- von Apfelplantagen abgelöst werden, können wir noch verkraften. Dass aber Mathias für jede Kleinigkeit sein Schul-Italienisch auspacken muss (wo wenige Kilometer zuvor noch jeder Passant Deutsch sprach), dass die Häuser plötzlich heruntergekommen aussehen, dass es auf einmal Unterkünfte gibt, in denen wir nicht schlafen möchten und dass generell die Infrastruktur sehr zu wünschen übrig lässt, kann uns nicht kalt lassen. Wir wünschen uns Südtirol zurück! Ein Quartier zu finden stellt sich als echte Herausforderung dar. Erst der Besitzer einer Pizzeria bietet uns an, telefonisch Zimmer in einer Herberge im Nachbarort zu reservieren, unter der Bedingung, dass wir bei ihm Nudeln und Pizza konsumieren. Das Tiramisu essen wir freiwillig. Mit vollem Magen geht's wieder 300 Höhenmeter rauf nach Spormaggiore, inklusive Zielsprint vor unserer Herberge, in der es scheint, als wären wir die einzigen Gäste.

Tag 07

Die Schlussetappe hält noch einmal extrem steile Anstiege, aber vor allem eine 1.500 Höhenmeter-Abfahrt für uns parat. Vom Monte Gazza aus haben wir eine grandiose Aussicht auf den Gardasee. Die Motivation dankt es artig und macht die letzten 30 Kilometer nicht nur aufgrund der Bergab-Tendenz zur Triumphfahrt. Als wir die Abbiegung in den Wanderweg nehmen, blüht mein Trail-Herz richtig auf. Und auch meine drei Begleiter scheinen ihre lang versteckte Leidenschaft für Singletrails nicht mehr länger hinterm Zaun halten zu können. Jeder wächst über sich hinaus und es scheint so, als ob die Radbeherrschung doch etwas von sieben Tagen im Sattel profitiert. Zielsicher lotst uns Georg durch die Weinreben zuerst nach Arco auf einen Eisbecher und anschließend direkt ans Ufer des Gardasees in Riva zum Abschlussbier. Die letzten Tage haben echt Spaß gemacht. Dennoch sind wir alle glücklich jetzt in Riva zu sein. Bis auf Thomas. Der sieht noch frisch aus und würde gerne noch eine weitere Woche kurbeln. Das ist der Thomas, den wir kennen.



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