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Ein Rennen zum Entspannen

Es ist Wochenende und ein Rennen steht an. Statt gehetzt amRenntag zur Unzeit ins Auto zu steigen und mit einer Kombination aus Stress undNervosität gerade rechtzeitig an den Start zu gehen, kurven ich und mein Bruderam Vorabend gemütlich mit dem VW Bus gen Südtirol. Kurz nach Mitternachtkurbeln wir fest am Lenkrad um dem Straßenverlauf des Jaufenpass zu folgen,beobachten Füchse bei der nächtlichen Straßenquerung und halten uns mitGeschichten über Gott und die Welt wach. Stress bei der Anreise? Fehlanzeige.Wir scheinen jetzt schon den Spirit des Rennens erfasst zu haben.

 

Enduro ist ein Mountainbike-Rennformat, von dem einigesagen, dass es ganz neu ist und andere behaupten, dass es schon so langeexistiert wie Mountainbiken selbst. Egal was stimmt, der Modus klingtinteressant: ähnlich wie bei einer Autorallye ist pro Tag eine Etappe zu absolvieren(rund 10km). Auf dieser Etappe müssen einzelne kurze Abschnitte (Sessions) aufZeit absolviert werden. Die benötigte Transferzeit zwischen den Sessions spieltkeine Rolle, zur Gesamtwertung werden alle Sessions addiert. Hört sich für michnach jeder Menge Spaß an - Grund genug es einmal auszuprobieren.

 

Die Trailtrophy in Latsch im Vinschgau ist ein solchesEnduro-Rennen und wird 2013 zum vierten Mal veranstaltet. Im Gegensatz zuvielen anderen seiner Zunft (wie zum Beispiel das Rennen in Riva del Garda)gilt die Trailtrophy als einfach zu fahren, ein wahres Flow-Erlebnis wirdversprochen und der Charakter der Veranstaltung soll sehr entspannt sein.Ideales Terrain für mich, mein 140mm-Fully und meine nicht vorhandeneDownhill-Erfahrung.

 

Für Marathon-Racer stellt die Trailtrophy eineHardcore-Entschleunigung dar, wie eine Reise nach Goa für einenWall-Street-Broker. 13:30 Uhr ist offizieller Rennbeginn, aber noch lange keineRede von Pedalieren. Das Shutteln sorgt für eine ausgiebige Wartezeit. BeiStartnummer 195 geht sich sogar eine zufällige Streckenbesichtigung derNightstage, Essenfassen und ein extensiver Powernap aus. Ideal für dasHerumlungern und Totschlagen der Wartezeit ist übrigens das gemütlicheFestivalgelände der Trophy. Wie in einem großen Gastgarten gibt es dicke,schattenspendende Bäume, Grillerei und Kuchen, eine kleine Expo-Area,Liegestühle und jede Menge Bike-affine Gesprächspartner. EinBestandsaufnahmeblick entlockt mir ein süffisantes Lächeln. Der Großteil derTeilnehmer scheint ein BIKE-Abo zu besitzen: Evoc, Specialized, Crankbrothers -Testberichte werden also doch ernst genommen.


Originelles Vehikel.


Das gemütliche Festivalgelände zum Relaxen und Zeit-totschlagen.


Vollgas in Session 3.

Kurz vor 17 Uhr wird mein Startblock losgeschickt. Statthundert Fahrer wie bei einem Marathon, treten acht lustige Biker gemütlich los.Mehr hätten in der Gondel nach St. Martin auch nicht Platz. Oben angekommen istjeder frei, so schnell oder langsam wie er möchte die Etappe zu absolvieren."All Mountain Stage" nennte sich das heutige Teilstück und soll uns in dreiSessions wieder Richtung Tal befördern. Ungewiss was mich erwartet, lasse iches flott aber nicht unkontrolliert angehen. Meine Befürchtungen, dass dasTerrain zu ruppig sein könnte, bläst Session eins aus meinen Gedanken. EngerSingletrail auf Waldboden, gespickt mit vielen Kurven und ein paar Steinen.Mein Grinsen wird bis zur zweiten Zeitnehmung kaum kleiner. Das Selbstvertrauensteigt. In Session zwei wird Kontrolle gedrosselt und Speed gesteigert. DerTransfer zur nächsten Zeitnehmung ist ein Highlight für sich. Über Panoramatrailund Hängebrücke cruisen wir zum nächsten Start. Session drei ist kurz, flowigund mit einem knackigen Schlussanstieg. Entspannt rolle ich zurück zumFestivalgelände. Der Einstieg in mein erstes Enduro-Rennen ist geglückt, jetztheißt's entspannen für die Night Session.

 

Unglaublich wie viele verschiedene Blink- undLeuchteinstellungen es bei Stirnlampen & Co gibt. Bei der Nightsession derTrailtrophy sieht man sie alle. Die Wertungsprüfungen in der Dunkelheit müssenselbst erstrampelt werden und fordern vollste Konzentration. Den Nightride undTag eins schließe ich mit Genugtuung auf Platz 37 von rund 200 ab.


Warten auf die Dunkelheit für den Nightride.


Nightsession: verlangt extreme Konzentration, macht aber wirklich Spaß.


Mit dem Glühwürmchen am Kopf durch die Nacht.

Samstags starten wir früher, denn es soll etwas mehr Höheaus eigener Muskelkraft gewonnen werden. 500 gemütlich erradelte Höhenmeter,die wir in nur einer Session fast komplett vernichten. Dafür vernichtet auchmich diese "Enduro Session" fast zur Gänze. Nach wenigen Minuten kann ich denLenker kaum mehr halten und meine Bremsfinger verkommen zu ungehorsamenPlastilinstangen. Egal, ich versuche die Schmerzen zu verdrängen. Aber die sindhartnäckig und werden vom ruppigen Untergrund genährt. So schlägt es mir kurzvor Ende der Session den Lenker aus der Hand. Ellbogen- und Knieprotektorensind Pflicht, so gibt's zum Glück nur Abschürfungen an der Schulter. Dierestlichen zwei Sessions des Tages lasse ich dann ruhiger angehen.

 

Grillerei, Rad-Fußball-Contest, Lagerfeuer. Es magbeschaulich zugehen bei der Trailtrophy, nasengebohrt wird allerdings auf denTrails nicht. Tag zwei mit seinen Downhill-lastigen Sessions spült mich zurückauf Platz 81. Ich hoffe nur, meine Hände morgen wieder selbst vom Lenker nehmenzu können.

 

Der letzte Tag ist kurz, eigentlich nur ein Vormittag, denneine Vielzahl an Startern ist aus Deutschland und möchte am Montag wieder imBüro sitzen. Die Vielzahl an Trails auf kompaktem Gebiet in Latsch macht esaber möglich, tolle Wege zu fahren, ohne viele vertikale Meter vernichten zumüssen. Teil eins der "Trail Session" fordert konditionstechnisch alles ab.Meist leicht bergauf, verfluche ich den gestern so dringend benötigtenFederweg. Mit etwas zu viel Motivation patze ich gleich 50 Meter nach demStart, touchiere einen Baum und mache einen Abgang. Dafür ist Session zwei einTraum von einem Trail und ein absolut würdiger Abschluss für drei tolle TageTrailsurfen im Vinschgau. Vorbei an der Burg in Morter presse ich das Bike wieauf einer Bobbahn durch die rund 15 Kehren. Jedem Fahrer der durch dieZeitnehmung kommt entlockt diese Kurvenorgie einen Freudenschrei.

 

Auf Rang 75 spuckt mich die Ergebnisliste am Ende aus. Zeitund Platzierung hatten aber nie oberste Priorität. Das dürfen sie bei derTrailtrophy auch fast nicht haben, so bekommt man das Gefühl. Vielmehr war'seine ausgeschilderte Führung über die Trails von Latsch, mit einigen Passagenzum Sau-Rauslassen. Das Format gefällt, die Organisation ist perfekt, dieAtmosphäre Startöl- und Lycra-frei und von den Trails träume ich noch eineWoche später. Limitierender Faktor für weitere Starts könnte lediglich dasrecht happige Startgeld von 150 Euro sein, das scheint aber bei Bikes jenseitsder 4.000 Euro-Marke die meisten Teilnehmern wenig zu jucken.


Der Austragungsort: Latsch im Vinschgau.


Zwischen den Sessions ist kein Stress.


Entspannung wird großgeschrieben.

Für die Gemeinde Latsch stellt die Trailtrophy in jedem Falleine Win-Win-Situation dar: einerseits nächtigen fast 200 Teilnehmer über'sWochenende in dem beschaulichen Ort, andererseits konvertiert man alle Starterzu Anhängern der unglaublichen Trails in der Gegend und macht sie hoffnungslosabhängig. Auch uns erfasst das Suchtpotential vollends, können uns nicht vomVinschgau lösen und hängen gleich noch einen Tag zum Trailsurfen dran.

[christoph, bloglobuli.tk]



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