
Bei all den Reisewarnungen in letzter Zeit ist zur Abwechslung eine Reiseempfehlung angebracht. Letzte Woche haben ich und Tanja im kleinen Ort Makarska (ca. 50km südlich von Split) an der kroatischen Küste verbracht. Während wir vom Hotel gemütlich, der Hafenbucht entlang, auf der Promenade spazieren konnten, tat sich im Hintergrund das bis zu 1.700 Meter hohe Biokovo Gebirge auf. Bereits die kleinen Trails im Park Osejava hinter unserer Herberge machten uns am ersten etwas verregneten Tag Lust auf mehr. In der Folge ging es dann nördlich am wunderschönen Küstentrail flach bis nach Baska Voda und am Fuße des Biokovo oberhalb von Wein- und Olivengärten retour nach Makarska. Den Untergrund bildeten meist Forstwege mit grobem Schotter oder Trails, in extrem ruhiger Umgebung und immer mit Blick aufs Meer. Teilweise sind die Wege gar nicht so einfach zu finden, mit Markierungen und vor allem Tafeln wurde gespart und die Karten werden erst nach und nach gezeichnet. Ebenso nett zeigte sich die südliche Richtung bis Podgora, wobei uns wieder das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte. Zur Wochenmitte erwartete uns strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen, sodass es uns per steiler Betonstraße in das kleine Örtchen Kotsina zog und immer mit Makarska im Blick nördlich nach Veliko Brdo. Von dort aus führte der uns bereits bekannte - und "Makarska Downhill" genannte - Speed-Trail zwischen Gärten und Häusern auf direktem Weg ins Zentrum von Makarska. Das schöne Wetter wollten wir natürlich auch unbedingt nutzen und den Biokovo-Nationalpark erkunden. Aufgrund der vielen Höhenmeter machte ich mich alleine per Rad auf den Weg um mich etwas später mit Tanja wieder auf einem der höchsten Punkte zu treffen. Ich hatte den höchsten Berg des Biokovo im Auge, den Sveti Jure mit ca. 1760 Höhenmeter. Da meine gewählte Panoramastraße jedoch leider gerade wegen Bauarbeiten gesprengt wurde, entschied ich mich für den extrem steilen Wanderweg, der nach kräfteraubenden 700 Höhenmetern wieder auf die offizielle Nationalparkstraße mündet und dort eine fulminante Aussicht freigab. Bei angenehmer Steigung und wenig Verkehr kurbelte ich die restliche Strecke bis zum Sveti Jure relativ flott und genoss anschließend die Rundumsicht vom Gipfel über die gesamte Riviera - von Norden bis Süden - das Hinterland von Kroatien und sogar bis nach Bosnien. Weil es der Wind dort oben bitterkalt machte, rollte ich ein paar Kilometer hinunter um gemeinsam mit Tanja auf den Vosac, sozusagen den Hausberg von Makarska, zu steigen. Was soll man sagen, ein Blick auf Makarska wie aus einem Flugzeug: 1.400 Meter fast senkrecht hinunter. In einem Internet-Blog hatte ich von einem gewissen Alpenzorro gelesen, dass er den direkten Wanderweg als komplett fahrbar beschrieben hatte. So etwas lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen und verabschiedete mich von Tanja um mich auf dem steinigen Trail fast senkrecht in die Tiefe zu stürzen. Schon auf den ersten Metern merkte ich, dass ein Hardtail mit 8cm Federweg und Race-Geometrie hier wohl nicht das richtige Gerät sind und musste dafür etliche Male Lehrgeld in Form von Abschürfungen und blauen Flecken zahlen. Nach zahllosen Kehren mit viel großem, losem Geröll legte ich - ansonsten ein Feind von Fotostopps - gerne ein paar Pausen ein. Die Arme und Hände brannten und der Trail wollte einfach kein Ende nehmen. Die herrliche Kulisse machte aber für alles Wett und so spuckte mich der Weg ca. 300 Höhenmeter über Makarska aus, wo ich dann gemütlich auf der Straße hinunterrollen konnte. Hut ab vor dem Herrn Alpenzorro, für mich war der Weg großteils nicht so easy. Als ob es an der Riviera nicht genug zu erkunden gäbe, fuhren wir noch mit der Fähre auf die Insel Brac. Im Tourismusbüro hatte man leider nicht einmal eine Karte für uns und so suchten wir uns per Himmelsrichtung über die Insel. Vom schönen Ort Povlja aus fanden wir sogar einen alten Wanderweg, der uns allerdings nach ein paar Metern echtes Dschungel-Feeling bescherte. Dichte Vegetation, der Weg nur mehr Lenkerbreit, zu viele Dornensträucher um auszuweichen und etliche dicke Spinnen, die sicherlich auf andere Beute gewartet hätten. Kurz vor Sumatin wurde der Weg wieder besser und wir leckten unsere Wunden im Café während wir auf die Fähre retour nach Makarska warteten. Brac, eine Insel auf der man unbedingt mehr Orientierung benötigt, denn hier sieht jeder Hügel gleich aus und die Zivilisation verschwindet schon nach ein paar Metern im Nichts.
Wir hatten Makarska als Bike-Destination gewählt, da wir eine Alternative zum Gardasee erkunden wollten. Ganz so viele Möglichkeiten gibt es hier nicht, allerdings ausreichend Trails und Wege für eine Woche. Die Kulisse mit dem Biokovo ist aber nicht weniger atemberaubend. Frühjahr und Herbst eigenen sich wohl am besten, die Temperaturen waren recht angenehmen und der Touristenansturm ist noch leicht ertragbar - im Sommer sieht die Sache aber sicherlich anders aus. Auf jeden Fall ist die Region sehr zu empfehlen, es wurde auch versprochen, dass die Bike-Wege in nächster Zeit besser beschildert werden ;)
(christoph)
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