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La Palma: STOP dem Flow.

La Palma - STOP dem Flow

Überall dichter Nebel, wie man sich ihn auf See vor den Highlands vorstellt. Dazu schroffer Wind, der uns fast von der Caldera-Kante in den Krater schert. Und Temperaturen unter Null, die unsere Finger klamm werden lassen und das Bremsen unkontrollierbarer machen. Nein, keine Winterausfahrt mit dem Bike in unseren Breiten. Wir befinden uns auf den Kanaren, auf La Palma, am Weg von Pico de la Nieve (2232m) zum Strand (0m). Die Wahl fiel nicht zuletzt auf La Palma aufgrund fantastischer Videos wie "Dusty Days" und einem hervorragend produzierten Bericht im BIKE Magazin (10/2011). BIKE beschreibt unsere gegenwärtige Situation wie folgt: "Mal technisch, mal flowig, führt uns der Panoramaweg die nächsten eineinhalb Stunden wechselnd bergauf und bergab am Caldera-Kamm entlang, einige kleinere Schiebe-Passagen inklusive." SIC! Rund 500 Höhenmeter an kleineren Schiebepassagen haben wir uns auf über 2000 Metern gegönnt. Als wir dann endlich die Schwerkraft zu unseren Gunsten ausspielen können, folgt die nächste Ernüchterung: entweder wir sind fahrtechnisch extreme Schwammerl oder BIKE bindet uns den nächsten Bären auf. Nach ein paar Metern zum Rollen folgen ausgesprochen schwierige Passagen, viele ohne Absteigen nicht zu meistern. Wir sind uns einig: vom Priel-Schutzhaus runter zu fahren wäre ein leichteres Unterfangen. "... einer der sieben definitiv schönsten Trails der Welt. Der Pico-Ovejas-Trail ist die Inkarnation eines Holy Trails, ein in die Landschaft gezaubertes Manifest des Flows." Jaja, eh schon wissen. Das Wetter wird nicht besser, wir wollen nur noch runter und nehmen den Notausstieg: den Königsweg. Der führt relativ steil und ausgesetzt nach unten und ist bei feuchter Witterung mit seiner kopfgroßen Pflasterung und den reifenbreiten Abständen nicht die beste Wahl. Wanderer, die sich bereits beim Aufstieg plagen, fragen uns ernsthaft ob wir eh eine gute Versicherung abgeschlossen haben.
Einige Höhenmeter vor unserem Hotel verlassen wir den von BIKE vorgeschlagenen Pfad und folgen einem GPS-Track, den wir von Georgs Arbeitskollegen bekommen haben. Anfangs immer mit 3-5 Metern Abweichung, bis wir des Rätsels Lösung erkennen und ins Bachbett abbiegen und dort einen erstarrten Lava-Fluss entdecken, der sich fährt, als wären wir auf Schleifpapier unterwegs. Endlos viel Grip und flowig wie erstarrtes Wasser. Ätsch-Bätsch BIKE - den kennt ihr wohl nicht!


Peter und Georg am Pico


Winter gibt's auch auf den Kanaren


Frisch is!


Dichter Nebel am Kraterrand


Torre del Time


der riesige Caldera-Krater

Obwohl wir uns im Vorfeld über die "Isla Bonita" informiert hatten, wurde Peter, Georg und mir erst im Landeanflug richtig klar wie steil dieses Stück Vulkanspitze eigentlich aus dem Atlantik ragt. Von unserem Startpunkt Puerto Naos (direkt am Meer) kann man halbwegs eben nur einen einzigen Ort (El Remo) erreichen. Dann ist Schluss mit lustig. Wer weiter will, muss die erste Steilkante mit 300 Metern überwinden. Die ersten Trials beginnen bei ca. 400-500hm, sobald man die zahlreichen Bananenplantagen hinter sich gelassen hat. So kommt es auch, dass wir bereits am ersten Tag bei einer "kleinen" Runde mit unseren Scott Genius Leihbikes (150mm) von der Bike-Station rund 1.400 Höhenmeter kurbeln. Am zweiten Tag sind es dann über 1.600hm. Immer mit sehr schwierigen Abfahrten. Das viel zitierte Flow-Erlebnis will sich ob der vielen Trage-/Schiebepassagen nicht einstellen. Am Abend des zweiten Tages sind wir derart platt, dass wir beschließen den nächsten Tag auf den Pico zu Shutteln, um oben beschriebenes Debakel zu erleben. Der einzige Lichtblick an diesem Tag: unser Taxifahrer Roberto, der uns am liebsten im warmen Auto bis auf den Gipfel gefahren hätte.

Tag 4 bringt den heiß ersehnten Ruhetag. Mangels Programm im kleinen Dörfchen Puerto Naos schwingen wir uns auf Hardtails und kosten uns auf 700 Höhenmetern durch das kulinarische Programm von La Palma: Kaffee in Tazacorte, Essen in Puerto Tazacorte und Kaffee und Eis in Los Llanos. Richtig entspannt haben wir zum ersten Mal am Abend Kraft und Muse um auszugehen. Das Unterhaltungsprogramm ist eingeschränkt, dafür aber umso ausgefallener: Transen-Playback-Show im Promenaden-Kaffee.


teilweise unfahrbar...


Puerto Naos von oben


Schorlinator - das Vulkanmonster


Erheiterung bei der Transen-Show


Red Bull - unter welchen Umstände auch immer


ganz leicht fertig

Da uns am nächsten Tag unsere reservierten Scott Genius in der Bike-Station verwehrt werden, schwingen wir uns wieder auf die Hardtails und radeln auf der Straße gen Süden. Diese beginnt allerdings 700 Höhenmeter über Puerto Naos. Dort nehmen wir die "flowigen Traum-Trails in schwarzgrauer Vulkanlandschaft" unter die Räder. Nur zur Info: in Vulkanasche fährt es sich ca. so wie in einer rießengroßen locker fluffigen Sandkiste. Oder jahreszeitengerechter: wie im schweren, nassen Tiefschnee. Genau: das Rad macht was es will und das Fahren wird zur 1A-Gleichgewichtsübung. Nach 1.800 Höhenmetern an diesem Tag beschließen wir es an unserem letzten Rad-Tag in La Palma nochmals mit Shutteln zu versuchen.

Wir wollen auf den höchsten Vulkan: den Roque de los Muchachos. Vor dem Trail an der Kraterkante wurden wir in der Bike-Station gewarnt. Der sei noch schwieriger als der vom Pico herunter. Naja, wenn schon der Weg schlecht ist, haben wir wenigsten als Erheiterung eine Taxifahrt mit Roberto. Unsere Scott Ransom Bikes (160mm Federweg) passen perfekt in den weißen Hyundai Bus. Mit Roberto unterhalten wir uns ausgesprochen gut und er scheint die Gesellschaft seiner Fahrgäste ebenso zu genießen. Bevor es richtig raufgeht auf den Roque, biegt er zur nächsten Tankstelle und lädt uns alle auf Kaffee und Cola ein. Roberto, der ehemalige DC-3-Pilot fliegt bei Kaiserwetter durch die endlosen Serpentinen auf 2.426 Höhenmeter hinauf, wartet dann seelenruhig bis wir unsere Räder wieder zusammengebaut haben und macht sich erst auf den Rückweg, als auch wir aufbrechen. Das Panorama vom Roque ist grenzgenial und entschädigt für die Strapazen der letzten Tage. Sogar der Teide auf Teneriffa ist zu sehen. Wir machen uns auf, mit unseren Panzer-Bikes direkt an der Kraterkante 2.400 Höhenmeter bis zum Meer nach Puerto de Tazacorte zu schieben, denn die Erwartungen an die Trails hier sind ziemlich am Boden. Aber unverhofft kommt oft und wir befinden uns auf dem schönsten Weg der ganzen Insel. Besonders das flüssige Stück vor dem Torre del Time könnte ich küssen und immer wieder fahren. Ein echtes Traumerlebnis, dass erst nach ca. vier Stunden bei einer Nachspeise an der Promenade von Puerto de Tazacorte direkt am Meer endet.


Teide über den Wolken


Die drei Freeride-Mongos am Roque


Freeride-Mongos mit Roberto dem Taxler


da lernt man das Kehrenfahren


Bekanntschaft mit Vulkangestein 1


Bekanntschaft mit Vulkangestein 2

Aha-Effekts:

  • Lava-Gestein schneidet sich recht gut durch die menschliche Haut.
  • In einem Punkt können wir BIKE positiv widerlegen: "Der Touren-Reifen, der La Palma die Karkasse bieten kann, muss erst noch komponiert werden." Obwohl wir teilweise auf Slick-artigen Nobby Nics unterwegs waren, hatten wir keinen einzigen Platten. Dafür haben wir etliche Bremsbeläge, einen Schaltzug und zwei Speichen zerstört.
  • 150mm-Federweg sind auf dieser Insel zu wenig.
  • Ohne Shutteln geht's echt nicht.
  • La Palma ist absolut nichts für Anfänger. Als Training kann man ja mal sein Bike auf die Kremsmauer schleppen und von dort runterfahren.
  • Peter ist der effektivste Serpentinen-Fahrer: er schafft sogar zwei auf einmal.
  • Am Morgen fragen uns immer alle nach unseren "Porno Dias"
  • Wie man in BIKE sieht, ist es möglich einen umfangreichen Bericht zu schreiben, ohne einmal selbst dort gewesen zu sein. RESPEKT!

Blick zurück nach Puerto Naos


Aschetrails in der Sandkiste


Kurvenmeister bei seiner Rettung


Zwangsoptimismus


Trail-Shredder am Roque


so hat er's gern, da Bua



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