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Ischgl Overmountain Challenge

Würde man jemanden erzählen, dass in Ischgl eine Ski-Europameisterschaft stattfindet, wäre das kaum verwunderlich. Allerdings sind es keine Wintersportler die sich pünktlich zum ersten Schnee im Tiroler Skiort einfinden, sondern eine Horde hochkarätiger Mountainbiker. Ganz geheuer sind den Ischglern die Mannen mit den grobstolligen Reifen und Motocross-Helmen noch nicht, besonders die Liftwarte sind schwerst um die Sauberkeit ihrer Gondeln besorgt. Doch die rund 250 Athleten, angereist aus dem ganzen Kontinent, fühlen sich trotz des nasskalten Wetters auf den hochalpinen Trails sichtlich wohl.

Eigentlich hatte man sich in Ischgl schon auf eine ruhige Zwischensaison eingestellt. Mit dem warmen Wetter verabschiedeten sich die letzten älteren wandernden Herrschaften. Die Seilbahnen werden für den Winter gewartet und in den Skishops klingelt täglich der DPD-Mann mit neuen Leihski. Doch dann rief das Team von Trail Solutions zum Testlauf für die Enduro Europameisterschaft und die Elite des Sports ließ sich nicht zweimal bitten.


Besichtigung: Ziel von Stage 1


Besichtigung: Ischgl


Prolog Uphill


Wallride - die Schlüsselstelle im Prolog

Prolog
Ganz geheuer wollen sie mir nicht werden, diese Holzlatten an der Dorfmauer. Gute zehn Minuten widme ich nun schon dem Wallride im Ischgler Stadtzentrum - Hauptattraktion des Prologs der Ischgl Overmountain Challenge. Im Minutentakt rattern Fahrer in fast zwei Metern Höhe über die mit Hasengitter gepimpten, senkrechten Bretter. Das Rennen ist bereits in vollem Gange. Der Modus sah für heute Samstag freies Training auf den Stages vor und einen einminütigen Incity-Prolog zur Standortbestimmung. Die Besichtigung der Stages war bei mir gespickt mit einer Platten-Orgie, so verpasste ich das Training für den Prolog. In wenigen Minuten bin ich an der Reihe und noch immer weigert sich mein Hirn die Schlüsselstelle zu visualisieren.

Trotz der fehlenden Streckenkenntnis ordne ich mich brav in die Startreihe ein. "Start bei dreißig", kommt das Kommando und schon stampfe ich im Wiegetritt, vorbei an klatschenden Menschen und durch mir unbekannte Hinterhöfe bergauf, um oben angekommen über Hindernisse wieder retour zu hoppeln. Der Wallride ist in kaum einer Sekunde vorbei - keine Ahnung warum sich das Sicherheitsbewusstsein an derartigen Kleinigkeiten aufhängt. Ich klatsche eine passable Zeit ins Ziel. Im Vergleich zur Spitze fehlen mir aber die klassischen drei "S": Speed, Style und (zehn) Sekunden. Prolog-Sieger Nicolas Lau hängt doch mit etwas mehr Schneid im Wallride.


Über den Anlieger ins Ziel


Prolog im Ischgler Ortszentrum


Wallride ohne Ausweg


Stiegenpassage

Race Day
Renntag bedeutet normalerweise: früher aufstehen als sonst. Nicht aber, wenn man mit Startnummer 285 ins Rennen geht. Nach einem gemütlichen Frühstück rolle ich mit einer kleinen Gruppe um 10:30 Uhr in den nass-kalten Tiroler Vormittag. Der - wie man mir versicherte - auch für Ischgler Verhältnisse verfrühte Wintereinbruch zwang zwar zu einer Streckenverkürzung, die Runde sollte aber dennoch anspruchsvoll bleiben, wie das Training zeigte.

Gleich im Anstieg zur ersten Stage kann ich meine Herkunft aus dem Ausdauersport nicht leugnen. Während alle anderen aus meiner Gruppe den Anstieg plaudernd und in gemächlichem Tempo erklimmen, überhole ich bereits Teilnehmer des vor uns gestarteten Blocks. Im Gegenzug habe ich kein Problem mit den Check-In-Zeiten bei den Stages. Das Jammern rund um mich über die unrealistisch kurzen Transferzeiten lässt mich kalt.


Perfekt im rechten Winkel


Wallride in voller Größe


Perfekte Schräglage


Prolog-Sieger Nicolas Lau

Abrupter Start
In Stage eins werden viele bei der ersten Kurve munter - dann aber richtig. Sie wird mehrmals schwierigste Kurve des ganzen Rennens genannt. Eng, steil und mit nassen Wurzeln und Steinen gespickt geht es einen Wanderweg hinunter. Mit Genugtuung kann ich nach der Premierenstage zwei innige Ziele abhaken: ich habe mich auf dem Rad gehalten und ich habe einen vor mir gestarteten Fahrer überholt.

Ohne viel Zeit zu verlieren geht es mit der Silvretta-Bahn auf rund 2.200 Meter zum Start der Stage zwei. Das Wetter ist halbwegs gnädig und stoppt zumindest die Nässe von oben. Mir ist trotzdem kalt und obwohl ich weiß was kommt, zippe ich meine Jacke ganz zu. Im schönsten Bergpanorama starte ich auf einem flachen Singletrail und obwohl ich weiß was kommt, mit Vollgas. Ich überhole wieder einen Teilnehmer und freue mich. Nicht lange. Denn es folgt ein Steilstück über 80 Höhenmeter, welches nur mit der Bike-Tragetechnik zu bewältigen ist. Der Mann mit dem Hammer besuchte mich bei der Einfahrt in das Steilstück bereits, jetzt klopft aber der Mann mit dem Vorschlaghammer an. Rasender Puls, das Bike auf der Schulter und die verringerte Sauerstoffzufuhr auf 2000 Metern Seehöhe erschweren es mir die hohen Erdstufen zu treffen. Oben feuert ein Marshall an, ich habe nicht einmal mehr die Kraft den Fullface zu drehen und ihn eines Blickes zu würdigen. Ich lasse mich aufs Rad blumpsen und cruise komplett blau den restlichen, wunderschönen und immer steiler werdenden Teil der Stage zu Ende.


Der spätere Sieger Jerome Clementz


Zielpassage von Stage 1


Panorama-Start zu Stage 2


Berüchtigte Tragepassage von Stage 2

Slide well
Noch immer habe ich mich schadlos gehalten und musste nicht unfreiwillig das Bike verlassen. Stage drei will das aber ändern. Auf zwei Downhill-Minuten wartet ein durchgängiger Schlammteppich auf einen Balancefehler. Kaum aus dem Startgate schlittere ich über den Trail, versuche halbwegs die eingeprägte Linie zu halten und die gröbsten Hindernisse zu vermeiden. Im Drift über beide Reifen absolviere ich die letzten Kurven und darf mich weiterhin unversehrt auf den Weg zur allerletzten Stage machen.

Von der Mittelstation liefert uns die Silvretta-Bahn nochmals ein gutes Stück Richtung Schneefallgrenze, die noch fehlenden Meter zum kalten Weiß schaffen wir dann aus eigener Kraft. Die anderen schiebend, ich als Sonderling in der Enduro-Szene natürlich tretend. Zur Überraschung schenken auf 2.500 Metern hartgesottene Helfer heißen Tee aus und so verweilen selbst bei erfrischenden Temperaturen ein paar müde Teilnehmer etwas ausgiebiger.


Vollgas in Stage 2


Schöner Singletrail am Hang entlang


Transfer-Uphill zu Stage 4


Wer sein Rad liebt, der fährt

Flow zum Schluss
Stage vier ist schön und lang. Für meine zarten Marathon-Hände schön lang. Der Velil-Trail schlängelt sich flowig, aber ewig durch alpines Gelände. Einige Hügel laden zum Springen ein, in der Luft hoffe ich immer den Lenker bei der Landung noch in den Händen zu halten. Die Stage wird mit einer irrsinnig lustigen Passage entlang eines Baches abgeschlossen. Dort empfangen wird man schon von einigen Teilnehmern empfangen, die noch voller Adrenalin sind und noch gar nicht richtig nach Ischgl retour wollen. Irgendwann rollt man dann aber doch hinunter, schließlich möchte man seine Zeit wissen. Am Silvrettaplatz wird der Transponder ausgelesen und die Menschentraube vorm Bildschirm zeigt auch, wo man seine Platzierung erfährt. Satte 9:38 Minuten Rückstand auf Sieger (und Enduro World Series Leader) Jerome Clementz, bei rund 30 Minuten Fahrzeit. Das Ziel für das nächste Enduro Rennen wird wohl mehr sein, als nur auf dem Bike zu bleiben.


Angezuckertes Bergpanorama


Stage 4 auf 2.500 Metern Seehöhe


Wunderschön flowiger Velil-Tral


Und endlos langer Velil-Trail

Darf denn das sein?
Die Streckenführung - insbesondere das Tragestück - beschäftigt die Enduro-Community noch länger. Ob Ischgl Europameisterschaftswürdig ist, wird gefragt. Dabei gibt Enduro doch vor, den komplettesten Mountainbiker zu suchen. Und genau das ist bei der Overmountain Challenge passiert: mit Jerome Clementz hat der fitteste und technisch beste Fahrer gewonnen. Ebenso mit Ines Thoma bei den Damen. Die Gewinner freuen sich trotz der Diskussionen und nehmen ihren ungewöhnlichen Preis - ein handgefertigtes Schwert - zufrieden entgegen.

Tags darauf hängt der Regen schwer über dem Tal. Die Teambusse haben das Paznauntal verlassen, der Wallride ist wieder eine unscheinbare Dorfmauer. Die Seilbahn hat für die nächsten zwei Monate den Betrieb eingestellt und in den Wirtshäusern trinken die Einheimischen auf die Abreise der Gäste. Endlich eine ruhige Zwischensaison.


[christoph]


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